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| Erfahrungswissen vor der Renaissance |
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| Von Christine Szogas und Ralf Brümmer |  |
| Erfahrene Mitarbeiter, die ihr Können und Wissen motiviert einsetzen und weitergeben, sind unverzichtbar. Für die Personalpolitik besteht die Herausforderung darin, den Spannungsbogen der Mitarbeiter bis zum Ende des Berufslebens zu erhalten, damit Schwung und Gestaltungskraft nicht verloren gehen. |
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Reines Faktenwissen, das in der modernen Wissensgesellschaft über Druckstücke und das Internet relativ leicht "just in time" zugänglich ist, hilft im Unternehmen oft nicht weiter. In Zeiten wachsender Wissensflut ist stattdessen Orientierung gefragt, Überblick, das Erkennen des Kerns der Dinge. Daher wird gerade in einer Wissensgesellschaft Erfahrungswissen immer wichtiger. Der Knackpunkt ist, dass dieses nicht abgespeichert und jederzeit über ein unabhängiges Medium abgerufen werden kann; Erfahrungswissen wird vornehmlich fallbezogen - beispielsweise in einem Veränderungsprozess - und im direkten Austausch von Mensch zu Mensch weitergegeben.
Auch wenn man Fragestellungen von heute selbstverständlich nicht mit Antworten von gestern lösen kann, so ist es in vielen Bereichen keinesfalls sinnvoll, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das Generieren kreativer Ideen profitiert von vorhandenen Erfahrungen und Eindrücken, vorausgesetzt, sie werden nicht mechanisch übernommen, sondern immer wieder neu verknüpft und anders zusammengesetzt. Im Wörterbuch findet man übrigens folgende Synonyme für den Begriff Erfahrung: Erkenntnis, Geschicklichkeit, Einsicht, Verständnis, Scharfsinn, Vertrautheit, Übung, Menschenkenntnis und Wissen. Wer wollte bezweifeln, dass diese Fähigkeiten erfolgskritisch sind? |
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Erfahrungswissen wird geschätzt
Erfahrene oder ältere Mitarbeiter - die Begriffe werden in einer jugendgeprägten Arbeitswelt oft euphemistisch als Synonyme verwendet - geraten wieder verstärkt in den Fokus der Personalpolitik. Zum einen liegt das an ihrem Erfahrungswissen, dessen Wert man anscheinend erst jetzt, da dieses Gut auf Grund von kippenden Alterspyramiden der Belegschaften knapp geworden ist, richtig zu schätzen lernt. Zum anderen gewinnt das Fach- und Erfahrungswissen älterer Mitarbeiter an Gewicht, weil die demografische Entwicklung innerhalb weniger Jahre einen Fachkräftemangel erwarten lässt. Die Gruppe der Älteren muss in Zukunft also deutlich länger an Bord gehalten werden. Ein dritter Grund betrifft den Konsumentenmarkt: Auch die Kunden werden älter und nicht jeder möchte von einem Mittzwanziger beraten werden.
Wissen motiviert weitergeben
Man kann also von einer ökonomischen Notwendigkeit und einer Investition in die Zukunft sprechen, wenn ältere Mitarbeiter in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Allerdings genügt hier die rein quantitative Betrachtung nicht: Gebraucht werden erfahrene Mitarbeiter, die ihr Können und Wissen motiviert und engagiert zur Verfügung stellen - bis zum letzten Tag vor Eintritt in den Ruhestand und gegebenenfalls im Rahmen von flexiblen Übergangsmodellen auch darüber hinaus. Den Spannungsbogen der Mitarbeiter von Anfang bis Ende ihres Berufslebens zu erhalten, ist die eigentliche Herausforderung an personalpolitische Konzepte. Bildlich gesprochen, darf die Quelle, aus der der Mitarbeiter Schwung und Motivation schöpft, nicht versiegen. Der Erfahrungsschatz sollte im Laufe des Arbeitslebens nicht verloren gehen, sondern sich stetig vermehren. |
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